Reinhard Müsebeck
Reinhard Müsebeck: Wo die Kunst zuhause ist.
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Treffen mit Reinhard Müsebeck

Treffen Sie den Jungautor und lassen Sie sich von ihm durch die Schauplätze vieler seiner Geschichten führen. Treffpunkt ist im legendären Stadtteil Dresden Weißer Hirsch, am Konzertplatz, Samstag 12.09.2009 um 14:00 Uhr. Eintritt ist frei.

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Malerbetrieb Berlin

Reinhard Müsebeck

Reinhard Müsebeck

Wo die Kunst zuhause ist.

Der unter dem Künstlernamnen Reinhard Müsebeck freischaffende Künstler wagt sich mit diesem Buch erstmals in die schreibende Zunft. Völlig sinnfrei erzählen seine Anekdoten, Erzählungen und Geschichten aus dem wahren Leben oder einer ungewöhnlich blühenden Fantasie.

Leseprobe:

Ein Wochenende im Sommer

Wenn man nach Kontaktanzeigen schaut, dann ist meist das Begehr, dass man sich auch mit seinem Gegenüber, der Verfasserin der Anzeige, auf welche man geantwortet hat, trifft.

Aber überstürzen wir nichts, gehen wir es langsam an. Mit einem Alter unter 30 rennen einem die Pferde noch nicht weg und man wiegt sich in der Gewissheit, den größten Teil seines Lebens noch vor sich zu haben. Also beginnt man ganz sanft ein Gespräch per eMail anzufangen. Man tauscht Namen, Interessen aus und untersucht, ob man Gemeinsamkeiten hat. Wenn das nach einer Woche dann zum Sport geworden ist, trifft man beiderseitig die Entscheidung, doch auch die Stimme seines Gegenübers hören zu wollen. Dank der Erfindung des Telefons schwindet die Entfernung von Chemnitz
und Dresden zu einem Rufton. Das Gesamtbild wird abgerundet durch den Austausch von mehr oder weniger nichts sagenden Fotos. Nun ja, man will sich ja nicht auf Äußerlichkeiten festlegen, so gibt man es vor. Die Sympathie entscheidet, doch nicht rein das Äußerliche. Auf meinem inneren Ruf, den Rückzug anzutreten, habe ich nicht gehört. Klar, mein bester Freund aus der Heimat, den ich über 15 Jahre kenne, ist mir ihr in die Schule gegangen. Das muss doch ein Zeichen sein! Also: wir verabreden uns.

Sonntag Nachmittag im Großen Garten in Dresden, Treffpunkt vorher bei mir zu Hause. So ist es ausgemacht. Einen Tag vorher, also am Samstag, wird, wie mittlerweile jeden Tag, das Telefon zum regen Austausch der Gedanken genutzt. Ich für meinen Teil, ein Liebhaber von Whiskey, sitze gerade abends gegen 9 vor selbigen und rede am Telefon ganz angeregt mit ihr. Sie will spontan sein, mich jetzt noch sehen. Nicht mehr ganz nüchtern und damit eher gelassen als angespannt sage ich zu, gebe alle Adressdaten bekannt und warte geduldig eine ganze Stunde, bis sie von Chemnitz nach Dresden fährt.
Sie findet das Haus nicht, die Hausnummer war nicht zu lesen. Ich gehe nach ihrem Anruf vor die Tür und begrüße sie. Das Foto hat nicht gelogen.
Herein, mein Reich, alles schön, hab noch geputzt, nimm Platz. Wie immer bei einem ersten Date ist alles ganz aufregend, man schaut sich zum ersten Mal tief in die Augen, lacht und scherzt. Was mich immer wieder zum Rückzug mahnt, ist mein mangelndes Interesse daran, aus gefundenen Kräutern Suppen zu kochen. Ach ja, Ihre letzte Beziehung hatte sie mit einer Frau. Den Termin in der Samenbank auch. Egal, ich will ja nicht voreingenommen sein, wir sind in derselben Stadt
aufgewachsen. Immerhin. Nach 2 Stunden und dem Uhrzeiger nahe der 12 stehen, ists dann Zeit fürs Bett. Sie wollte bei mir schlafen, so war es vorher ausgemacht. Sie hat den Vortritt im Bad. Ich gerate in Panik. Was tun? Mann, wie ich bin, kann man mich, zumindest konnte man mich zu diesem Zeitpunkt, auf einen Gedanken abends reduzieren: Sex! Nein, nicht mit dieser Frau. Aber: ich weiss, das ich in der Trunkenheit des Halbschlafes jede noch so geringe Chance nutzen würde, meine seit Jahren brach liegende Libido wieder zu etwas Leben zu verhelfen. Aber wer hätte gedacht, wozu meine Schlaflosigkeit, an der ich seit anderthalb Jahren litt, mich vor falschen Schritten bewahren würde.

Wenn man über ein Jahr mit massiven Einschlafproblemen zu tun hat, spricht man früher oder später einen Arzt darauf an. Ärzte sind Menschen, die denken, Medikamente wären die erste Wahl. In meinem Fall war das Zopiclon, eine Einschlafhilfe. Wirkt in 10 Minuten, hält 5 Stunden und ist wie ein Vollrausch zum Männertag.
Au ja, das habe ich, dass nehme ich, um diese Frau nicht anzufassen, wer weiß, was danach passieren würde. Meiner inneren Nervosität folgend, habe ich dann auch tatsächlich gleich die doppelte Dosis
genommen. Wirkt das jetzt in 5 Minuten? Ich habe, nachdem wir nebeneinander in meinem Bett bei mir zu Hause lagen und mir zwei dieser Tabletten genehmigt habe, ganze 60 Minuten gebraucht, um die Glückseligkeit des Schlafes kennen zu lernen.
Bewegen konnte ich mich nicht mehr, mit Fummeln war also nichts.
Am nächsten Morgen sind wir ins Carolaschlösschen zum Frühstück. Und auf dem Rückweg hat sie jede noch so kleine grüne Pflanze geprüft, ob sie nicht daraus etwas zu essen machen könnte.
Mittlerweile schon nachmittags und einer chilligen Runde Jazz-Hörens habe ich sie nach Hause geschickt. Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr.
Ich bin einem Traum nachgerannt, den ich unbedingt in dieser Frau sehen wollte, habe erst zu spät bemerkt, dass sie es nicht war.
Ach ja, Mittwoch darauf fragte sie mich, warum ich keinen Sex mit ihr haben wollte…
Naja, jetzt bin ich älter, gelassener und Einschlafprobleme habe ich auch nicht mehr.

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